Schlagwort-Archive: On Repeat

On Repeat: Drei

Nach dem Lesen einiger Rezensionen von Swods drittem Album “Drei” bekommt man das Gefühl, dass Musikjournalismus und Meteorologie wesensverwandte Disziplinen sind. Da liest man von Spätherbst und Regentagen und besonders geistreiche Autoren distanzieren sich von der Wetter-Metapher, um sie dann ungeniert zu Benutzen. Ich weiß nicht, ob man dieses Distanzieren als Ironie oder Captatio Benevolentiae bezeichnen soll, auf jeden Fall ist es unnötig – warum sollte man sich denn für die Bilder rechtfertigen, die einem die melancholische Musik von Swod aufdrängt?

Die beiden Berliner veröffentlichen alle drei bis vier Jahre ein neues Album ihrer mit Elektronik angereicherten Piano-Kompositionen. Dieses Mal gesellen sich zu den Beats und Störgeräuschen aber auch Samples aus Film-Monologen von Romy Schneider. Und mit Film ist tatsächlich der Bogen zurück zum Wetter geschlagen: Während ich diese Rezension schreibe tobt draußen ein Sturm und die Musik von Swod erscheint mir als der perfekte Soundtrack. Sie wäre aber ebenso passend, läge ich am Strand – diese Musik ist eben nicht so einseitig wie eine Wetterlage.

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On Repeat: Chinoisesries Pt. 2

Nach über einem Jahr, den diese Rubrik mittlerweile alt ist, sollte klar sein, dass wenn hier Hip-Hop erwähnt wird, dann nur, wenn es sich um eine außergewöhnliche Veröffentlichung handelt. Und das Außergewöhnliche fängt beim zweiten Teil der “Chinoiseries” des französischen Produzenten Onra schon mit dem Cover an: Das Standbild eines schwarz-weißen, chinesischen Films, gedruckt auf braunem Büttenpapier lässt eher einen Mix aus Singer-Songwriter und Worldmusic vermuten (ähnlich wie Beirut, nur mit asiatischen statt osteuropäischen Einflüssen).

Aber ganz weit weg von der Realität ist dieser erste Eindruck dann doch nicht. Onras Beat-Skizzen (selten länger als 2 Minuten, was bei 32 Tracks in einer Spielzeit von einer Stunde resultiert) basieren auf Schlager-Platten die er aus Vietnam, dem Heimatland seiner Großeltern, mitgebracht hat. Was nach Worldmusic aussieht klingt zum Teil also tatsächlich so, doch die fetten Kickdrums lassen alles angenehm zugänglich klingen und Onra in die Liga von Madlib und Danger Mouse aufsteigen.

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On Repeat: Monkeytown

Nach einer Reihe Pop-Alben musste hier endlich wieder etwas Abwechslung her. Und wie schon im Frühjahr bei Daedelus und Bibio kommt sie auch im Herbst in Form von Broken-Beats und Hip-Hop Zitaten. Zu dieser Mischung kommt noch eine ordentliche Rave-Abfahrt und fertig ist das Modeselektor-Programm. Ihr mittlerweile drittes Album hat Thom Yorke, der auch hier wieder auf zwei Track singt, zum Vergleich mit Kraftwerk animiert. Und auch wenn dies etwas übertrieben ist, so ist Monkeytown wieder ein Mal ein richtig gutes Dance Album geworden.

Die Herausforderung, vor die Modeselektor den Hörer stellen, ist natürlich die, dass er, der Hörer, so offen mit Genres jonglieren können muss wie die beiden Produzenten selber. Aggressive Dub-Step Atacken wechseln sich hier oft auch in einem einzigen Track mit entspanntem R’n’B ab. Aber für gewiefte Mode-Selectors (entschuldigt den Kalauer) wie das Bungalow-Team ist das kein Problem.

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On Repeat: The Devil’s Walk

Wirkliche Künstliche Intelligenz lässt sich nicht programmieren, sie muss erlernt werden. Das ist nicht nur die Ansicht der Evolutionären Robotik sondern auch Thema des aktuellen Musikvideos von Apparat alias Sascha Ring.Und auch Emotionen scheinen erst mühsam erlernt werden zu müssen, denn in den 10 Jahren in denen Apparat Musik macht hat der Sound erst nach und nach einen Wandel von kühlem, klackerndem und piepsendem Minimal-Techno zu klavierzentriertem Herzschmerzpop erfahren.

Mit „The Devil’s Walk“ ist Apparat an einem Punkt angekommen, der ihn für eine breitere Zielgruppe attraktiv macht – der Wechsel zum britischen Label Mute ist dabei sicherlich von Vorteil. Wer sich ein Bild von dieser Entwicklung machen will kann übrigens nicht nur das aktuelle sondern auch vier der früheren Apparat-Alben auf Soundcloud streamen.

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On Repeat: Out Of Love

Eine Band, deren drei Mitglieder aus fünf verschiedenen Indie-Rock Bands rekrutiert sind kann man wirklich himmlisch nennen: Mit Honus Honus, dem Frontmann von Man Man, ist für eine anständige Portion Experimentierfreude gesorgt; Nicholas Thorburn, früher Sänger der mittlerweile aufgelösten, grenzegenialen The Unicorns und nun Frontmann von Islands, ist für verschrobene Melancholie zuständig; und Joe Plummer schließlich sorgt wie schon bei Modest Mouse und The Shins auch bei Mister Heavenly für den richtigen Groove.

Das Debütalbum dieses Dreamteams heißt “Out Of Love” und bietet eine erwartungsgemäß abwechslungsreiche Sammlung tanzbarer Pop-Songs die mal gediegen grooven wie 1960er Surf-Rock und mal in Post-Punk-artiges Gedröhne abdriften. Nach 36 Minuten ist dann leider schon Schluss – also nichts wie die Repeat-Taste drücken oder in den Back-Katalog der drei Bandmitglieder eintauchen.

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On Repeat: Shangri-La

Das Tibetanische Kloster Shangri-La stellt eine Utopie für alle Aussteiger dar; es ist ein Ort der Zuflucht dessen Bewohner biblische Alter erreichen, von den Nöten des Alltags befreit sind und doch auf keine Annehmlichkeiten verzichten müssen. Seitdem dieser Mythos Anfang der 1930er Jahre in die Welt gekommen ist haben auch Musiker sich liebend gern auf ihn bezogen – schließlich stellt Musik seit jeher eine der besten Möglichkeiten zur Realitätsflucht dar.

Yacht bieten uns mit ihrem neuen Album an Bord zu kommen und dieser Utopie entgegen zu segeln. Den Soundtrack bildet ihr gewohnt optimistischer Electro-Pop, der auf ihrem mittlerweile fünften Album weniger verkopft sondern mehr nach Punk klingt. Der Wechsel zu DFA ist also deutlich hörbar, schadet der Band aber keinesfalls – Shangri-La ist ein weiteres Hammer-Album.

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On Repeat: We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves

Wer auf Hawaii seinen Doktor in politischer Philosophie gemacht hat, von dem kann man zweierlei erwarten: Auf der einen Seite Musik, die sich mit den drängenden Fragen unserer Welt auseinandersetzt, zum anderen aber eine entspannte Attitüde die diese Themen so locker erscheinen lassen kann, als seien sie eigentlich gar nicht der Rede wert. In seinen Interviews vermittelt John Maus den Eindruck, dass ihm der erste Aspekt wichtiger ist – in seiner Musik hingegen scheinen sich beide Pole zu einem irritierenden Weltuntergangsszenario zu verdichten.

Es klingt fast, als hätte jemand in einer postapokalyptischen Welt einige New Wave Platten, Drum Machines und Synthesizer gefunden und hätte damit angefangen, seine Lebenssituation zu verarbeiten. Wie die verwaschene Video-Botschaft, die die Figuren in John Carpenters “Die Fürsten Der Dunkelheit” verfolgt, wird diese Musik anschließend durch Zeit und Raum direkt in unsere Köpfe geschickt. OK, das klingt vielleicht etwas arg verschroben, aber es passt zum neuen Album von John Maus.

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On Repeat: Bon Iver

Mit dem Debütalbum “For Emma, Forever Ago” hat die Band Bon Iver um Sänger Justin Vernon langsam aber sicher große Erfolge gefeiert. Eigentlich als Demo gedacht, sind die Songs Anfang 2008 doch offiziell als Album veröffentlicht worden, krochen darauf die amerikanischen Indie-Charts empor und wurden schließlich ende 2009 für einige Fernsehserien lizenziert.

Der Nachfolger “Bon Iver” muss da natürlich anknüpfen, und dafür stehen die Chancen sehr gut. Mit Coolness-Bonus (die GAYNGS-Kollaboration) in der Tasche und Mainstream-Lorbeeren (der Beitrag zum Twilight Soundtrack) auf dem Kopf kann man aber auch nicht viel falsch machen. Um auf Nummer Sicher zu gehen wurde das Schlagzeug weit in den Hintergrund gemischt, damit Vernons melodramatische Stimme sich auch wirklich voll entfalten kann und die Produktion möglichst zart und fragil klingt. Holt also schon mal die Taschentücher raus.

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On Repeat: Codes and Keys

Vielleicht täusche ich mich ja, aber mir scheint es, als sei Ben Gibbards Stimme hier in Deutschland am bekanntesten ist als die von The Postal Service, und weniger als die seiner Haupt-Band Death Cab For Cutie. Und auch wenn dem nicht so sein sollte, so hat der Erfolg des Electro-Pop Duos The Postal Service sicher auch den der Rock-Band Death Cab For Cutie voran getrieben.

Mittlerweile ist das Projekt von Ben Gibbard und Jimmy Tamborello auf Eis gelegt worden, was möglicherweise der Grund dafür war, dass er und seine Bandkollegen sich bei ihrem mittlerweile siebten Album für einen eher elektronischen Sound entschieden haben. Eine weitere Veränderung die sie mit “Codes And Keys” einschlagen ist die, auf die extreme Emotionalität zu verzichten, die zum Markenzeichen der Band geworden war, und stattdessen sich teilweise sogar in optimistische Pop-Gefilde zu wagen. Ein Songtitel wie “Stay Young, Go Dancing” spricht da Bände – auch wenn das Album sich trotz allem nicht gut zum Tanzen eignet.

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On Repeat: Cadenza

Wenn man Cadenza liest, denkt man instinktiv an Minimal Techno, und zwar wegen des gleichnamigen schweizer Techno-Labels von Dj und Produzent Luciano. Minimal Techno kann man bei den Dutch Uncles keinesfalls erwarten, aber immerhin klingt das in den ersten sechs Sekunden des Albums gespielte Piano nach House. Das war’s dann aber schon, von nun an folgt flotter, umfangreich instrumentierter Pop.

Irgendwann stellt sich dann der Verdacht ein, man würde ein Soloprojekt von Alexis Taylor, dem Frontmann von Hot Chip, hören. Er gehört aber überhauptnicht zu den fünf Mitgliedern dieser britischen Band, die mit Cadenza ihr zweites Album vorlegt. Ihr Sound kommt dann auch fast ausschließlich ohne elektronische Instrumente aus, was dieses Pop-Album noch organischer und noch wärmer klingen lässt. Zusammenfassend kann man das auch Britpop in Perfektion nennen.

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