Schlagwort-Archive: On Repeat

On Repeat: Untogether

Es ist schon fast zu einem Allgemeinplatz verkommen, das Debütalbum des kanadischen Duos Blue Hawaii mit dem Schaffen von Björk zu vergleichen. Gemeinsam haben “Untogether” und die mittlerweile sieben Alben umfassende Diskographie der Isländerin die Experimentierfreude beim Umgang mit Vocals und Pop-Elementen. Doch das zeichnet eine Menge Künstler aus, seien es Kate Bush oder Hecuba, Mike Patton oder sogar Sparks.

Nachdem diese Gemeinsamkeiten also abgehackt sind, kann man sich den Alleinstellungsmerkmalen der beiden zuwenden. Sie schaffen es wie kaum ein anderer ihre Verträumten und hypnotischen Vocals mit energetischen Beats zu verknüpfen und so eine an Spannung kaum zu überbietende Melange aus Groove und Schwerelosigkeit herzustellen. An dieser Mischung aus Leichtigkeit und Kraft haben sich schon viele versucht, aber wenigen ist sie so gut geglückt, wie Blue Hawaii auf “Untogether“.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Jamie Lidell

Jamie hat den Funk wieder – oder der Funk hat Jamie wieder. Wie man es nimmt, mit seinem selbstbetitelten fünften Album klingt Jamie Lidell wieder so wie vor “Compass”. War jenes Album noch ein Experimentierfeld für musikalische Einflüsse von Punk bis Funk, so konzentriert sich das aktuelle eher auf Einflüsse von George Clinton bis Michael Jackson.

Vielleicht hängt das mit seinem Umzug nach Nashville zusammen, wo man, so Jamie Lidell in einem aktuellen Interview, um die “musikalische Tradition weiß und sie auch Pflegt”. Vielleicht aber auch einfach mit dem Willen, wieder ein geradliniges Album zu veröffentlichen, statt eines wilden Potpourris. Bei den bevorstehenden Konzerten wird der Sound auf jeden Fall funktionieren.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

No Repeat: Jonas Rathsman DJ-Set

Der Schwede Jonas Rathsman ist ein wahrer Tausendsassa: Nicht nur, dass er in Stockholm einen Laden betreibt, in welchem von ihm mit-designte Mode und Möbel verkauft werden – vielmehr ist er als Kreuzritter im Auftrag des amerikanischen House-Labels “French Express” in den Clubs dieser Welt unterwegs. So zum Beispiel diesen Samstag im KimTimJim. Dass er diesen Auftrag sehr gewissenhaft ausführt, das beweist sein DJ-Mix für das BBC Radio 1, für den er als eines der aufstrebenden Talente dieses Jahres ausgewählt worden ist.
Den Samstagabend sollte man sich also auf jeden Fall für Jonas Freihalten, lautet sein zweiter Vorname doch tatsächlich “Love”. Und das ist keine gefühlsduselige Floskel eines Pressetexters, sondern ein in seinem Reisepass nachprüfbarer Fakt. Noch Fragen?

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Stubborn Heart

Die Pointe des 80er-Jahre Familienfilms “War Games” kann wie folgt zusammengefasst werden: Der mit einer unerbittlichen Maschinenlogik arbeitende Supercomputer muss durch ein Kinderspiel von dieser Logik abgebracht werden. Um den drohenden atomaren Weltkrieg zu verhindern muss er lernen, dass es die beste Entscheidung sein kann, keine Entscheidung zu treffen. Kurzum: Die Maschine braucht eine Seele.

Daran arbeiten seit einigen Jahren auch einige britische Vertreter der Maschinenmusik, beispielsweise die meiner Meinung nach überbewerteten The XX oder der weithin unterschätzte Jamie Woon. Zu ihnen gesellt sich seit diesem Monat auch das Duo Stubborn Heart mit seinem gleichnamigen Debüt-Album. Mit ihrem Namen beziehen sie sich auf einen Northern Soul Track, und ähnlich soulful ist auch der Gesang – allerdings deutlich langsamer. Entschleunigte Maschinenbeseelung eben.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Fragrant World

Wandlungsfähigkeit ist nicht etwas, das Yeasayer beweisen müssten, es ist das dominierende Prinzip ihrer Musik, ohne das nichts funktioniert. Was also an dieser Band überraschen könnte, ist das plötzliche Ausbleiben neuer Ideen, eine Konsistenz im Sound, die man schon fast radiotauglich nennen könnte.

Ihr ahnt schon, worauf ich hinaus will: Yeasayer überraschen auf ihrem dritten Album “Fragrant World” damit, dass sie ihre psychedelischen Experimente zügeln können und den Fokus in Richtung groovender Pop-Songs verschieben. Schienen ihre bisherigen Inspirations-Quellen Zeit und Raum zu ignorieren, so sind es dieses Mal eindeutig England in den späten 1980ern (Peter Gabriel, The Beloved) einerseits und die USA in den frühen 2010ern (Neon Indian, Washed Out) andererseits, die den Input für dieses Album liefern. Damit geben Yeasayer sicherlich einen Teil ihrer Einzigartigkeit auf – sie schaffen es so aber auch ein Album abzuliefern, das von Anfang bis Ende begeistert durchgehört werden kann.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Diver

Über zwei Jahre ist es her, seitdem Lemonade sich mit ihrem Song “Lifted” in mein Herz gespielt haben. Claps und Steel-Drums, plakativer kann man Sommerlaune mit Musik zwar kaum verbreiten, aber was soll’s, wenn es man es so gut hin bekommt, wie dieses Trio? Mit “Diver” erscheint nun das zweite Album der Band, und es lässt vermuten, dass sie ziemlich viel vor haben.

Eine unwiderstehliche Melodie jagt die nächste, dass alles mit euphorischen mid- bis up-Tempo-Grooves unterlegt – so bringt man sich schon mal in die Startlöcher für Radioplaylists und Charts. Das beste aber ist Callan Clendenins tragischer, durch Mark und Bein gehender Gesang, der den Songs die nötige Tiefe verleiht. Mit dieser bitter-süßen Atmosphäre sind Songs wie die erste Single “Neptune” die einzig denkbaren Sommerhits für dieses Jahr.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Return to Paradise

Die Rückkehr ins Paradies bedeutet für Sam Sparro wohl eine Rückkehr zum Disco- und Funk-Sound der späten 1970er Jahre. Wie schon auf dem Vorgängeralbum “Sam Sparro” versteckt er diese Einflüsse zwar immer noch gerne unter dicken Schichten von Electro-Pop. Doch er gibt ihnen auf dem Zweitwerk auch deutlich häufiger Gelegenheit, hervor zu scheinen, was seine Musik stellenweise sehr nah an den alten Prince rücken lässt.

Vielleicht bedeutet die Rückkehr ins Paradies für Sam Sparro aber auch eine Rückkehr in die 1930er Jahre, als Gangster noch echte Kerle und keine depressiven Wracks waren und Musicals mit aufwändig choreographierten Tanz-Szenen aufwarteten? Zumindest legen das die beiden Videos zu den Singles “Happiness” und “I Wish I Never Met You” nahe. Wie auch immer der Titel gemeint ist: das Album, das ihn trägt, ist großartig.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Kill for Love

Spätestens seit ihre Nummer “Tick of the Clock” auf dem Drive Soundtrack gefeatured worden ist, sind Chromatics einer größeren Hörerschaft bekannt. Mit einem unterkühlten No-New-Wave Sound begeistert das Quartett um Adam Miller die Bescheidwisser und Auskenner allerdings schon seit mindestens fünf Jahren, seit dem 2007er Album “Night Drive” nämlich. Und so lange hat es dann auch tatsächlich gedauert, bis das neue Album erschienen ist – eigentlich das vierte, aber da die ersten beiden noch Punk [sic!] waren, zählt es wohl als das zweite.

Kill for Love” wartet mit einem cineastischen Synth-Pop Sound auf, der von episch bis düster reicht und dabei dennoch immer zugänglich bleibt. Bei anderthalb Stunden Spielzeit wird wirklich einiges geboten und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Album selbst auch als Soundtrack konzipiert ist. Und tatsächlich, bisher sind zu fünf Songs Videos erschienen und voraussichtlich werden im Wochenrhythmus weitere folgen. Einfach den YouTube-Kanal von Alberto Rossini im Auge behalten!

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Django Django

Auf Django Django bin ich zum ersten Mal aufmerksam geworden durch ihr psychedelisches Musikvideo zu WOR vor mittlerweile fast zwei Jahren. Der perkussive Postrock hatten es mir schon damals genau so angetan wie die Namensgebung der Band: wer sich nach einem der besten Spaghetti-Western benennt scheint gut drauf zu sein.

Nun also haben Django Django mit “Django Django” ihr Debütalbum veröffentlicht auf dem es konzentrierter und tanzbarer zugeht als noch im Video zu WOR: weniger Hall, dafür mehr groovendes Schlagzeug, funky Bass und vor allem ausgefeilte Gesangsmelodien. Dadurch sind sie mittlerweile zwar eindeutig mehr Pop als Postrock, aber immer noch eine hervorragend abwechslungsreiche Band.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen

On Repeat: Lights Out

Trotz längerer Pause geht es fast Nahtlos da weiter, wo ich letztes Jahr mit Swod aufgehört habe: bei der Reduktion. Big Deal sind ebenfalls ein Duo, das sich statt dem Klavier der Gitarre verschrieben hat. Ihr Erstlingswerk “Lights Out” ist ausschließlich mit einer akustischen und einer Elektrischen Gitarre (die Klangflächen auf Pi steuert das Computerprogramm GarageBand bei) und den Stimmen der beiden Bandmitglieder Alice Costelloe und KC Underwood eingespielt.

In einer Zeit, in der Boy/Girl Duos fast inflationär auf dem Musikmarkt präsent sind stellt das aber fast keine Besonderheit mehr dar. Und wie die meisten anderen Vertreter schaffen auch diese zwei Briten es mit den wenigen Mitteln einen dichten Klangteppich zu weben, bei dem man nichts vermisst: mir selbst ist die selbst auferlegte Beschränkung erst nach einigen Stücken aufgefallen. Beim nächsten Mal gibt es trotzdem wieder Musik mit mehr Instrumenten. Versprochen.

Verschlagwortet mit | Einen Kommentar hinterlassen