
Museum auf Zeit
Die TEFAF (18.-27. März) in Maastricht ist die Königin aller Kunst- und Antiquitätenmessen. Was hier zehn Tage lag präsentiert wird, gehört zum Besten was die Kunstgeschichte hervorgebracht hat. Entsprechend ergibt sich eine Atmosphäre, die ihres Gleichen sucht. Das Alles ist ein extremer Genuss für Augen, Herz und Verstand. Handtäschchen im Logo-Design gehen hier gar nicht, Hermés, Delvaux, Bottega gehören zum Code. Es wirkt ohnehin alles blass gegen das, was es zu sehen (und kaufen) gibt. Ich traf dort den Kunsthändler Ralph Wernicke aus Berlin:
Nikola: Gibt es auf der TEFAF einen Trend?
Ralph: Hier gibt es nur einen Trend und zwar den zur Qualität. Die Händler zeigen hier Spitzenqualität in ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Es ist ein Fest fürs Auge und ein Museum auf Zeit. Dabei muss es sich nicht immer um Objekt im Miillionenbereich handeln. Es gibt auch in preiswerteren Regionen Entdeckungen zu machen wie z.B. frühe Delft Fayencen oder japanische Bronzen des 19./20. JH..
Nikola: Deine Highlights?
Ralph: Napoleonische Klapp-Stühle aus Stahl um 1800 bei Perrin, ein paar Porzellanhírsche, China 18. JH bei Cohen&Cohen, einen Elfenbein-Schwertgriff von Christoph Maucher bei Daniel Katz. An fast jedem Stand kann man außergewöhnliche Kunstwerke entdecken.
Nikola: Was zeichnet die Messe aus?
Ralph: Besondere Stärke der Messe ist das Angebot an Altmeistergemälden. ca. 70% der international jährlich zu Verfügung stehenden Spitzenqualität wird von den Händlern für Maastricht reserviert, das gilt auch für alle anderen Spezialgebiete. Die Messe ermöglicht Qualität, Zustand und Preise zu vergleichen. So.z.B. kann man wenn man sich für Bilder von Breughel interessiert immer 5 bis 6 verschieden Bilder finden und vergleichen, ebenso bei den Möbeln von Röntgen. Bei Preisen bis in die Millionenhöhe ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Ein Feuerwerk der Qualität.
Nikola: Warum Maastricht?
Ralph: Man möchte meinen die kleine Stadt Maastricht liegt “in the middle of nowhere”, was stimmt, zugleich aber auch in der Mitte eines Einzugsgebietes welches Deutschland Frankreich und die Benelux Länder umfasst. Alles Regionen mit einer langen Kunstsammeltradition. Keine Ablenkung wie in NY, man konzentriert sich auf das Wesentliche, das Beste.
Diesjähriger Star ist ein rares Gemälde aus dem Spätwerk von Rembrandt Harmensz van Rijn, das „Porträt eines Mannes” von 1658, es ist bei Otto Naumann New York, für 47 Millionen Dollar zu erwerben. Ein weiteres Highlight ist Renoires „Femme cueillant des Fleurs“ von 1874, es ist Camille, die jung verstorbene Frau Claude Monets in einem Blütenmeer, zu haben für 15 Mio. $, bei Dickinson aus London. Doch es will nicht enden, Bruegel bis Bacon, Lucian Freud (2,8 Mio. Brit. Pfund bei Daniel Blau, München) bis Lucio Fontana (Galerie Karsten Greve, Köln/Paris/St.Moritz), Schätzt über Schätze….
Was ich brauche: Meissener Großplastik, ein Geier modelliert von Kirchner und Kaendler ca. 1731. Bei Galerie Neuse für 2 Mio. Euro. / Eine weiter Plastik von Ginori, Doccia, ca 1760. Und da wäre noch der Sessel mit Eisenlehnen für Azucena von Gaccia Dominioni aus den 50ern und natürlich Riethfelds Drahtglas-Sideboard bei Galerie Fiedler.












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