Schon sehr früh interessierte sich Robin Hofmann für Musik. Sein Kommunikations-Design Studium an der Merz Akademie finanzierte er durch DJ jobs und 1999 gründete er mit drei Freunden das Musikproduzenten Team Dublex Inc. und im Anschluss das renommierte Musiklabel Pulver Records. International beachtete Musikproduktionen,Veröffentlichungen und Dj Auftritte folgten.
In dieser Phase betreute er auch zahlreiche Musikprojekte und Werbekampagnen aus der Fashion Industrie. Die Firmengründung von HearDis! Corporate Sound im Jahre 2005 war ein logischer Schritt, diese Tätigkeiten zu professionalisieren.
Robin Hofmann ist als Geschäftsführer bei HearDis! für Projektkonzeption, den Bereich Instore Music und Music Events zuständig. Desweiteren ist er als Dozent für akustische Markenführung an der Design Akademie Berlin und für Mediendesign an der DHBW Ravensburg tätig.
Auf bungalow-journal wird er regelmäßig Musik Reviews und Neuigkeiten aus der Musikszene posten.
Auf Django Django bin ich zum ersten Mal aufmerksam geworden durch ihr psychedelisches Musikvideo zu WOR vor mittlerweile fast zwei Jahren. Der perkussive Postrock hatten es mir schon damals genau so angetan wie die Namensgebung der Band: wer sich nach einem der besten Spaghetti-Western benennt scheint gut drauf zu sein.
Nun also haben Django Django mit “Django Django” ihr Debütalbum veröffentlicht auf dem es konzentrierter und tanzbarer zugeht als noch im Video zu WOR: weniger Hall, dafür mehr groovendes Schlagzeug, funky Bass und vor allem ausgefeilte Gesangsmelodien. Dadurch sind sie mittlerweile zwar eindeutig mehr Pop als Postrock, aber immer noch eine hervorragend abwechslungsreiche Band.
Trotz längerer Pause geht es fast Nahtlos da weiter, wo ich letztes Jahr mit Swod aufgehört habe: bei der Reduktion. Big Deal sind ebenfalls ein Duo, das sich statt dem Klavier der Gitarre verschrieben hat. Ihr Erstlingswerk “Lights Out” ist ausschließlich mit einer akustischen und einer Elektrischen Gitarre (die Klangflächen auf Pi steuert das Computerprogramm GarageBand bei) und den Stimmen der beiden Bandmitglieder Alice Costelloe und KC Underwood eingespielt.
In einer Zeit, in der Boy/Girl Duos fast inflationär auf dem Musikmarkt präsent sind stellt das aber fast keine Besonderheit mehr dar. Und wie die meisten anderen Vertreter schaffen auch diese zwei Briten es mit den wenigen Mitteln einen dichten Klangteppich zu weben, bei dem man nichts vermisst: mir selbst ist die selbst auferlegte Beschränkung erst nach einigen Stücken aufgefallen. Beim nächsten Mal gibt es trotzdem wieder Musik mit mehr Instrumenten. Versprochen.
Nach dem Lesen einiger Rezensionen von Swods drittem Album “Drei” bekommt man das Gefühl, dass Musikjournalismus und Meteorologie wesensverwandte Disziplinen sind. Da liest man von Spätherbst und Regentagen und besonders geistreiche Autoren distanzieren sich von der Wetter-Metapher, um sie dann ungeniert zu Benutzen. Ich weiß nicht, ob man dieses Distanzieren als Ironie oder Captatio Benevolentiae bezeichnen soll, auf jeden Fall ist es unnötig – warum sollte man sich denn für die Bilder rechtfertigen, die einem die melancholische Musik von Swod aufdrängt?
Die beiden Berliner veröffentlichen alle drei bis vier Jahre ein neues Album ihrer mit Elektronik angereicherten Piano-Kompositionen. Dieses Mal gesellen sich zu den Beats und Störgeräuschen aber auch Samples aus Film-Monologen von Romy Schneider. Und mit Film ist tatsächlich der Bogen zurück zum Wetter geschlagen: Während ich diese Rezension schreibe tobt draußen ein Sturm und die Musik von Swod erscheint mir als der perfekte Soundtrack. Sie wäre aber ebenso passend, läge ich am Strand – diese Musik ist eben nicht so einseitig wie eine Wetterlage.
Nach über einem Jahr, den diese Rubrik mittlerweile alt ist, sollte klar sein, dass wenn hier Hip-Hop erwähnt wird, dann nur, wenn es sich um eine außergewöhnliche Veröffentlichung handelt. Und das Außergewöhnliche fängt beim zweiten Teil der “Chinoiseries” des französischen Produzenten Onra schon mit dem Cover an: Das Standbild eines schwarz-weißen, chinesischen Films, gedruckt auf braunem Büttenpapier lässt eher einen Mix aus Singer-Songwriter und Worldmusic vermuten (ähnlich wie Beirut, nur mit asiatischen statt osteuropäischen Einflüssen).
Aber ganz weit weg von der Realität ist dieser erste Eindruck dann doch nicht. Onras Beat-Skizzen (selten länger als 2 Minuten, was bei 32 Tracks in einer Spielzeit von einer Stunde resultiert) basieren auf Schlager-Platten die er aus Vietnam, dem Heimatland seiner Großeltern, mitgebracht hat. Was nach Worldmusic aussieht klingt zum Teil also tatsächlich so, doch die fetten Kickdrums lassen alles angenehm zugänglich klingen und Onra in die Liga von Madlib und Danger Mouse aufsteigen.
Nach einer Reihe Pop-Alben musste hier endlich wieder etwas Abwechslung her. Und wie schon im Frühjahr bei Daedelus und Bibio kommt sie auch im Herbst in Form von Broken-Beats und Hip-Hop Zitaten. Zu dieser Mischung kommt noch eine ordentliche Rave-Abfahrt und fertig ist das Modeselektor-Programm. Ihr mittlerweile drittes Album hat Thom Yorke, der auch hier wieder auf zwei Track singt, zum Vergleich mit Kraftwerk animiert. Und auch wenn dies etwas übertrieben ist, so ist Monkeytown wieder ein Mal ein richtig gutes Dance Album geworden.
Die Herausforderung, vor die Modeselektor den Hörer stellen, ist natürlich die, dass er, der Hörer, so offen mit Genres jonglieren können muss wie die beiden Produzenten selber. Aggressive Dub-Step Atacken wechseln sich hier oft auch in einem einzigen Track mit entspanntem R’n’B ab. Aber für gewiefte Mode-Selectors (entschuldigt den Kalauer) wie das Bungalow-Team ist das kein Problem.
Wirkliche Künstliche Intelligenz lässt sich nicht programmieren, sie muss erlernt werden. Das ist nicht nur die Ansicht der Evolutionären Robotik sondern auch Thema des aktuellen Musikvideos von Apparat alias Sascha Ring.Und auch Emotionen scheinen erst mühsam erlernt werden zu müssen, denn in den 10 Jahren in denen Apparat Musik macht hat der Sound erst nach und nach einen Wandel von kühlem, klackerndem und piepsendem Minimal-Techno zu klavierzentriertem Herzschmerzpop erfahren.
Mit „The Devil’s Walk“ ist Apparat an einem Punkt angekommen, der ihn für eine breitere Zielgruppe attraktiv macht – der Wechsel zum britischen Label Mute ist dabei sicherlich von Vorteil. Wer sich ein Bild von dieser Entwicklung machen will kann übrigens nicht nur das aktuelle sondern auch vier der früheren Apparat-Alben auf Soundcloud streamen.
Eine Band, deren drei Mitglieder aus fünf verschiedenen Indie-Rock Bands rekrutiert sind kann man wirklich himmlisch nennen: Mit Honus Honus, dem Frontmann von Man Man, ist für eine anständige Portion Experimentierfreude gesorgt; Nicholas Thorburn, früher Sänger der mittlerweile aufgelösten, grenzegenialen The Unicorns und nun Frontmann von Islands, ist für verschrobene Melancholie zuständig; und Joe Plummer schließlich sorgt wie schon bei Modest Mouse und The Shins auch bei Mister Heavenly für den richtigen Groove.
Das Debütalbum dieses Dreamteams heißt “Out Of Love” und bietet eine erwartungsgemäß abwechslungsreiche Sammlung tanzbarer Pop-Songs die mal gediegen grooven wie 1960er Surf-Rock und mal in Post-Punk-artiges Gedröhne abdriften. Nach 36 Minuten ist dann leider schon Schluss – also nichts wie die Repeat-Taste drücken oder in den Back-Katalog der drei Bandmitglieder eintauchen.
Das Tibetanische Kloster Shangri-La stellt eine Utopie für alle Aussteiger dar; es ist ein Ort der Zuflucht dessen Bewohner biblische Alter erreichen, von den Nöten des Alltags befreit sind und doch auf keine Annehmlichkeiten verzichten müssen. Seitdem dieser Mythos Anfang der 1930er Jahre in die Welt gekommen ist haben auch Musiker sich liebend gern auf ihn bezogen – schließlich stellt Musik seit jeher eine der besten Möglichkeiten zur Realitätsflucht dar.
Yacht bieten uns mit ihrem neuen Album an Bord zu kommen und dieser Utopie entgegen zu segeln. Den Soundtrack bildet ihr gewohnt optimistischer Electro-Pop, der auf ihrem mittlerweile fünften Album weniger verkopft sondern mehr nach Punk klingt. Der Wechsel zu DFA ist also deutlich hörbar, schadet der Band aber keinesfalls – Shangri-La ist ein weiteres Hammer-Album.
Wer auf Hawaii seinen Doktor in politischer Philosophie gemacht hat, von dem kann man zweierlei erwarten: Auf der einen Seite Musik, die sich mit den drängenden Fragen unserer Welt auseinandersetzt, zum anderen aber eine entspannte Attitüde die diese Themen so locker erscheinen lassen kann, als seien sie eigentlich gar nicht der Rede wert. In seinen Interviews vermittelt John Maus den Eindruck, dass ihm der erste Aspekt wichtiger ist – in seiner Musik hingegen scheinen sich beide Pole zu einem irritierenden Weltuntergangsszenario zu verdichten.
Es klingt fast, als hätte jemand in einer postapokalyptischen Welt einige New Wave Platten, Drum Machines und Synthesizer gefunden und hätte damit angefangen, seine Lebenssituation zu verarbeiten. Wie die verwaschene Video-Botschaft, die die Figuren in John Carpenters “Die Fürsten Der Dunkelheit” verfolgt, wird diese Musik anschließend durch Zeit und Raum direkt in unsere Köpfe geschickt. OK, das klingt vielleicht etwas arg verschroben, aber es passt zum neuen Album von John Maus.
Mit dem Debütalbum “For Emma, Forever Ago” hat die Band Bon Iver um Sänger Justin Vernon langsam aber sicher große Erfolge gefeiert. Eigentlich als Demo gedacht, sind die Songs Anfang 2008 doch offiziell als Album veröffentlicht worden, krochen darauf die amerikanischen Indie-Charts empor und wurden schließlich ende 2009 für einige Fernsehserien lizenziert.
Der Nachfolger “Bon Iver” muss da natürlich anknüpfen, und dafür stehen die Chancen sehr gut. Mit Coolness-Bonus (die GAYNGS-Kollaboration) in der Tasche und Mainstream-Lorbeeren (der Beitrag zum Twilight Soundtrack) auf dem Kopf kann man aber auch nicht viel falsch machen. Um auf Nummer Sicher zu gehen wurde das Schlagzeug weit in den Hintergrund gemischt, damit Vernons melodramatische Stimme sich auch wirklich voll entfalten kann und die Produktion möglichst zart und fragil klingt. Holt also schon mal die Taschentücher raus.